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Pressetext

Great Expectations

Great Expectations zeigt Arbeiten von Studenten und Absolventen der Akademie der Bildenden Künste München. Sie bilden ein Sammelsurium der Meisterschüler des Jahres 2009/2010 aus den Klassen Förg, Gerhard, Jetelová, Huber, Metzel und Prangenberg mit dem Ziel: Eine Ausstellung ohne jeden Kompromiss mit Galeristen und Kuratoren. In einem Offspace der Isabellastrasse kreisen die Arbeiten um das Thema der großen Erwartungen. Die Akademiezeit ist vorbei oder nahezu abgeschlossen, aber was kommt nun? –

 Künstlerische Freiheit konfrontiert mit Positionierung auf dem Markt.

Anja Buchheister
Asta von Unger
Dana Lürken
Florian Froese-Peeck
Kirsten Zeitz
Melina Avouac
Moritz Walser
Noémie Stegmüller
Tassilo Letzel

Anja Buchheisters Gebilde aus Papier hängt von der Decke, ein Gewirr aus Linien, zerknittert, leicht, schwebend. Eine Seite weiß, wie eine Zeichnung im Raum. Die andere Seite ein fotografiertes Baugerüst: ausgedruckt, ausgeschnitten, seiner Funktion enthoben. Es stützt nicht mehr, bietet keine Stabilität für das leere und vom Abriss bedrohte Gebäude, in dem es doch steht. Es besetzt das kaputte Haus und findet in seiner Nutzlosigkeit zu neuer Freiheit.

Die Arbeiten von Kirsten Zeitz porträtieren Freundschaft. Sie sind sehnsuchtsvolle Erinnerungen an Nähe und Intimität. Ihr seid mein Glück 1977 – 2009, ist ein auf die Wand gezeichneter, mit 16 Abdrücken von Busen versehener Entwurf für ein Freundschaftsquilt. Die vier Skulpturen Busenfreunde zeigen jeweils den Zwischenraum der Busen zweier Freunde.

Moritz Walser hat vergrößerte Fingerabdrücke seiner rechten Hand in Gipskartonplatten gefräst. Die Platten sind billige Massenware und verdeutlichen die Degradierung von Fingerabdrücken von etwas ganz Persönlichem und Privatem zu reinen “Identifikationsnummern” in unseren Ausweisen.

Under pressure heißt die Papierarbeit von Asta von Unger. Sie preßt sich über zwei Stockwerke auf ganzer Breite zwischen Fußboden und Decke. Fragile Farbschichten in Blau-Rot-Abstufungen halten die Spannung wie einst Atlas das Himmelsgewölbe.

Dana Lürkens skulpturaler Beitrag zur Ausstellung stellt eine überdimensionale Tortenschleuder dar. Ein Stück vom Kuchen – so der Titel der Arbeit – hätte die am Anfang ihrer Professionalität stehende Künstlerin vielleicht gerne oder bietet Sie es dem erwartungsvollen Publikum an? Sensationslust und Gefahr zu gleichen Teilen fordern den Besucher heraus, den Hebel umzulegen, um die Torte in die Menge zu schleudern. Wen sie trifft, der wird willkürlich zum Opfer öffentlicher Schmach, einer künstlerisch-politische Ausdrucksform seit den 60er Jahren, der sogenannten Tortung.

In Florian Froese-Peecks Arbeit supertheory of everything, einem grell beleuchteten Isolationskasten, befinden sich handschuhartige Manipulatoren die durch ein Vakuum nach innen gestülpt sind. Sie scheinen mit den Händen nacheinander zu langen, jedoch ist der Abstand zwischen ihnen zu groß um sich zu erreichen.
Die Arbeit must see besteht aus großen Autobahnleuchttafeln. Aus tausenden Lichtpunkten erzeugt, weisen Schriften den Weg zu den wichtigsten kunstimmanenten Begrifflichkeiten.

Noémie Stegmüllers Fotografien Wallmartchanged, Untitled 1 und Untiteld 2 zeigen den „entleerten Raum.“ Die Künstlerin dokumentiert Orte, deren Funktion stark durch (Menschen-) Massen geprägt wird, in einem Moment, in dem diese ihres Funktionsgebers (Mensch, Konsument, Auto, usw.) beraubt und somit verfremdet sind.

In seinen Installationen benutzt Tassilo Letzel Alltagsgegenstände als Abbild von Arbeits- und Lebensverhältnissen der aktuellen Überflussgesellschaft. Die Arbeit Das Rauschen im Blätterwald besteht aus einem Laubbläser und drei Zimmerpflanzen, wie sie in jedem Baumarkt gekauft werden können. Den Ausstellungsbesuchern steht es frei zu interagieren und mit dem von der Decke hängenden Gerät die Pflanzen anzupusten. Genauso wie bei Nichts wie weg, bestehend aus einem Skateboard und einem Ventilator, das sich von Einem wegbewegt, sobald man herantritt.

Mickey Mouse I ist eine Wandarbeit von Mélina Avouac die sich formal in einem ästhetischen Spannungsfeld zwischen Graffiti und Relief aufhält und mit ihrem an AgitProp angelehnten Text diese Spannung auch über den ästhetischen Bereich hinausführt. Der an einen „Klospruch“ erinnernde Text kann „verschiedenfach“ interpretiert werden, so dass letztendlich in der Diskrepanz von Anspruch und Aussage eine Selbstaufhebung entstehen kann.

Ausstellungseröffnung ist am 29.04.2010 um 19 Uhr. Von Dienstag bis Sonntag kann die Ausstellung zwischen 16 und 20 Uhr besichtigt werden. Finissage ist am Samstag, den 8.5.2010 um 17 Uhr.

Isabellastraße 32
80796 München

30. April bis 8. Mai 2010
Dienstag –

Sonntag 16-20h
Eröffnung: Do. 29. April, 19h
mit der Express Brass Band und ab 22h DJ Blitz und Bims Jacobsen
Finnisage: Sa. 8. Mai, 17h

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